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Alzheimer: Die Krankheit

Erkrankung

Alzheimer ist die häufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie betrifft derzeit ca. 60.000-70.000 Österreicher, weltweit geht man von ca. 25 Millionen Erkrankten aus. Ihr Hauptrisikofaktor ist das zunehmende Alter. Entsprechend der demographischen Entwicklung erwarten Experten innerhalb der nächsten 20 bis 25 Jahre eine Verdopplung der Alzheimer-Prävalenz.

 

Pathophysiologie

Die Neuropathologie der Alzheimer Krankheit wurde 1906 von Alois Alzheimer erstmals beschrieben: Neben den amyloiden Plaques und den Neurofibrillenbündeln fiel ihm die Neurodegeneration besonders auf. Heute kennen wir nicht nur die Bestandteile der Plaques (Amyloid-ß-Formen) und Neurofibrillenbündel (hyperphosphoryliertes Tau), sondern haben auch ein Bild von den Prozessen, die zum Untergang der Gehirnzellen führen. Als initiales Ereignis gilt die zerebrale Anreicherung von Amyloid-ß (Aß). Aß kommt in verschiedenen Formen und Aggregationszuständen vor. Neben den klassischen Aß1-40- und Aß1-42-Spezies wurden in den letzten Jahren Formen identifiziert, die an ihrem Aminoende verkürzt (Position 3 oder 10) und/oder chemisch modifiziert (Pyroglutamat) sind. Dabei wird Letzteren eine Treiberfunktion bei den Aggregationsprozessen zugeschrieben. Eine wesentliche Konsequenz des Überangebots der Aß-Spezies ist die zerebrale Vermehrung des hyperphosphorylierten Tau Proteins. Im Zusammenspiel wirken Amyloid-ß und das hyperphosphorylierte Tau neurotoxisch. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird postuliert, dass therapeutische Maßnahmen, die die zerebrale Aß-Belastung verringern, den Krankheitsverlauf modifizieren können.

 

Symptomatik und Verlauf

Führendes Symptom der Erkrankung ist der Gedächtnisverlust, initial ist insbesondere das episodische Gedächtnis betroffen. Neben dem Gedächtnis sind weitere Domainen der Hirnfunktion gestört. Die Patienten entwickeln Verhaltensauffälligkeiten und sind zunehmend in ihren Alltagsfunktionen beeinträchtigt. Die Erkrankung beginnt schleichend. Der Zustand der Patienten verschlechtert sich kontinuierlich und resultiert im verfrühten Tod der Patienten. Im Durchschnitt dauert die Erkrankung von der Diagnosestellung bis zum Tod des Patienten 8 Jahre.

 

Diagnose

Die Diagnosestellung erfolgt heutzutage in zwei Schritten: zunächst muss eine Demenz vorliegen, deren Ausprägung derart deutlich sein muss, dass sie das Alltagsleben beeinträchtigt. Im zweiten Schritt werden andere mögliche Demenzursachen ausgeschlossen. Neue Diagnosealgorithmen, wie der von der Gruppe um Dubois postulierte, beziehen spezifische Biomarker (z.B. Liquorveränderungen, strukturelle Hirnveränderungen) in die Diagnosefindung ein.

 

Therapie

Die derzeit am Markt befindlichen Therapeutika zur symptomatischen Behandlung der Alzheimer-Demenz lassen sich in zwei Klassen einteilen. Die Wirkstoffe aus der Klasse der Acetylcholinesterasehemmer (AChE-I), vertreten mit den drei Substanzen Donepezil, Rivastigmin und Galantamin, die zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz zugelassen sind, sind die erste Klasse. Die zweite Klasse bildet der nicht-kompetitive NMDA-Rezeptor-Antagonist Memantin, welcher seit 2002 zur Behandlung der mittelschweren und schweren Alzheimer-Demenz zugelassen ist. Eine Kombinationstherapie mit einem AChE-I und Memantin kann bei mittelschwerer bis schwerer Alzheimer-Demenz vorteilhaft sein. Mit diesen Wirkstoffen kann eine Besserung der kognitiven Symptomatik erreicht werden. Oft werden darüber hinaus auch die Alzheimer-assoziierten Verhaltensstörungen positiv beeinflusst.

 

Tabelle: Alzheimermedikamente

 

AChE-I = Acetycholinesterase-Inhibitor, BuChE-I = Butyrylcholinesterase-Inhibitor; ACh = Acetylcholin; NMDA = N-Methyl-D-Aspartat (Glutamatrezeptor)